4. Juni 2018

Der luxemburgische Immobilienmarkt: In Mietobjekte investieren

Die BCEE ist Marktführer auf dem Wohnungshypothekenmarkt im Großherzogtum. Wir haben Dr. Daniel Mack, Leiter der Credit Process Management Abteilung und verantwortlich für die Entwicklung statistischer Modelle in diesem Bereich, gebeten, uns einen Überblick über die neuesten Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt zu geben.

Empfiehlt es sich angesichts des hohen Preisniveaus am luxemburgischen Immobilienmarkt zu investieren?

Die Antwort auf diese Frage hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere vom Anlegerprofil. Da die traditionellen Sparformen aufgrund von Zinssätzen von nahe 0 % weniger attraktiv geworden sind, suchen die Anleger nach rentableren Anlagen. Einige entscheiden sich für ein Portfolio mit mehr oder weniger riskanten und diversifizierten Wertpapieren, andere setzen auf Wohnungsbauinvestments in Kombination mit einer Finanzierung zu attraktiven Kreditzinsen. Im Gegensatz zu den seit der Wirtschaftskrise 2008 deutlich gesunkenen Marktzinsen war die Rendite auf Wohnungsbauinvestments in den letzten Jahren nicht rückläufig.

So kann beispielsweise ein Studio in Luxemburg-Zentrum, das 300.000 Euro kostet, häufig für 12.000 Euro pro Jahr kalt vermietet werden, was einer jährlichen Rendite von 4 % entspricht.

Welche Vor- und Nachteile bietet ein Wohnimmobilieninvestment?

Zum einen stellen die Mieteinnahmen eine zusätzliche Einkommensquelle dar. Oft wird diese hauptsächlich zur Tilgung der Finanzierung verwendet und trägt somit zum Vermögensaufbau bei. In einer späteren Phase kann das Gebäude für eigene Zwecke oder als Wohnung für die erwachsenen Kinder genutzt werden.

Beim Kauf einer Mietimmobilie sind die Steuervergünstigungen insbesondere im Hinblick auf eine beschleunigte Abschreibung in den ersten Jahren sehr interessant.
Dr Daniel Mack - Credit Process Management

Als negativer Aspekt ist das Vermieterrisiko zu nennen, also das Risiko eines längeren Leerstands des Wohnraums zum Beispiel bei einem Mieterwechsel. Darüber hinaus erfordert der Besitz einer Immobilie einen gewissen persönlichen Einsatz und ist mit nicht unerheblichen Verwaltungs- und Instandhaltungskosten verbunden. Außerdem ist der Anleger dem Risiko des nationalen oder gar lokalen Immobilienmarktes unterworfen.

Wo liegt das Risiko des Immobilienmarktes?

Das Risiko liegt in einem rückläufigen Marktpreis des Gebäudes bei einem Verkauf. Die zukünftige Preisentwicklung lässt sich zwar nur schwerlich vorhersagen, doch können Entwicklungen aus vergangenen Jahren und neuere wissenschaftliche Studien zur Beurteilung dieses Risikos herangezogen werden.

Der Anstieg der Immobilienpreise ist kein neues Phänomen. Langfristig, d. h. zwischen 1974 und 2016, stiegen die nominalen Preise im Großherzogtum um durchschnittlich 6,9 % pro Jahr, was bedeutet, dass ein Gebäude heute im Durchschnitt 17 Mal mehr kostet als 1974. Zwischen 2009 und 2017 betrug der durchschnittliche jährliche Anstieg 4,6 %, was einer Preiserhöhung von mehr als 50 % in neun Jahren entspricht. In Frankreich und Belgien betrug der Anstieg der realen Preise im selben Zeitraum nur 10 % bzw. 20 %. In Deutschland verzeichnet man einen Anstieg von etwa 30 %[[1]].

 


[1] Quelle: EUROSTAT (2015-2017)