25. Juni 2019

Steuert die Fed auf ein erneutes Soft Landing zu?

Nach dreijähriger Straffung der Geldpolitik (von Dezember 2015 bis Dezember 2018) legt die US-Notenbank Fed seit Anfang 2019 eine Pause ein, da sich die globale Situation aufgrund von Handelskonflikten und der Konjunkturabkühlung in China und der Eurozone verschlechtert hat.

Während Anfang des Jahres einige Analytiker noch dachten, die Fed würde ihre Zinserhöhung fortsetzen, kamen angesichts der rückläufigen Weltkonjunktur und schwachen Inflation zunehmend Zweifel an der Notwendigkeit einer restriktiveren Geldpolitik auf.

Derzeit scheint sich die Fed an die Erwartungen des Marktes zu halten, die immer weiter in Richtung einer oder mehrerer Zinssenkungen steuern.

Die Situation gleicht in etwa der von 1995, als die Fed die amerikanische Wirtschaft ankurbelte, indem sie ihre Zinsen zwischen Juli 1995 und Anfang 1996 um 0,75% senkte, um die Phase des Wirtschaftswachstums, die 1991 begonnen hatte und sich bis 2001 fortsetzte, zu verlängern. Es gibt aber noch mehr Schnittpunkte mit 1995: ein durchaus solides Wirtschaftswachstum, kein Inflationsdruck und eine beachtliche Marktentwicklung vor der Zinssenkung.

Was bedeutet also das Konzept Soft Landing? Es handelt sich um eine kontrollierte Abschwächung der Wirtschaft, wobei eine Rezession vermieden werden kann.
Aykut Efe - Economist, BCEE Asset Management

Der damalige Präsident der Fed, Alan Greenspan, begrüßte die sanfte Landung (Soft Landing) der amerikanischen Wirtschaft, deren Expansion 6 Jahre länger dauerte, ohne dass die Inflation außer Kontrolle geriet.

Mit dem Wissen, dass viele Wirtschaftswissenschaftler die derzeitige Wachstumsphase für bald beendet erklären, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Fed versucht, das Schema von 1995 zu wiederholen. Jedoch mit einem Haken: Die Vorgeschichte der Fed bezüglich Soft Landing ist nicht gerade überragend. Bis auf das Soft Landing von 1995, das von Erfolg gekrönt war, wird die Fed oft kritisch beäugt, dafür dass sie ihre Zinssätze in Zeiten des Wachstums zu sehr erhöht hat, um dem Inflationsdruck entgegenzuwirken, was aber zwangsläufig dazu führte, dass die amerikanische Wirtschaft in die Rezession rutschte.

Heute wird probiert, die Zinssätze historisch niedrig zu halten. Es scheint, als würde die Fed zugeben, dass sie bezüglich der Zinserhöhung zu weit gegangen ist, denn sie versucht, eine Kehrtwende zu machen oder zumindest eine Pause einzulegen.


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Panorama Financier 2019-02