Gespräch über die Finanzmärkte für das zweite Quartal | Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat, Luxembourg
8. April 2019

Gespräch über die Finanzmärkte für das zweite Quartal

Marc Fohr, Head of Investments bei BCEE Asset Management, äußert sich zur Situation an den Finanzmärkten.

Die Zeit vergeht und das erste Quartal des Jahres ist fast vorüber: Welche Neuigkeiten gibt es mit Blick auf das Jahr 2019?

Die Erwartungen für das globale Wirtschaftswachstum sind nicht besonders vielversprechend: Im Januar senkte der Internationale Währungsfonds seine Erwartungen für 2019 auf 3,5 %. Die Abschwächung ist zweigeteilt: In Europa und China läuft der Wachstumsmotor nicht mehr rund, während die USA weiter als globale Wachstumslokomotive fungieren.

In Europa ist Deutschland mit Problemen in der Automobilindustrie und im Exportgeschäft konfrontiert. Nichtsdestotrotz hat das Land noch ein paar Asse im Ärmel, die es diesem widrigen Umfeld entgegensetzen kann: seine gute Arbeitsmarktlage und seine soliden öffentlichen Finanzen. In Italien sorgt die undurchsichtige politische Lage für Unsicherheit, was sich im Rückgang des Konsums und der privaten Investitionen äußert.

Indes rechnet die Europäische Kommission für 2019 mit einem sehr schwachen Wachstum von 0,2 %.

In China verliert die Wirtschaft an Schwung, aber alles ist relativ: Die Wachstumsprognosen der Regierung liegen für 2019 zwischen 6 % und 6,5 %. Hintergrund ist der von den chinesischen Behörden initiierte Übergang zu einer Dienstleistungswirtschaft, wobei alles dafür getan wird, um die Nachfrage in den Bereichen anzukurbeln, wo sie ins Stocken gerät.

In den USA trotzt die Wirtschaft allen Herausforderungen: Zwar haben die Wirtschaftsdaten unter dem Shutdown und den Handelsspannungen gelitten, aber dessen ungeachtet verfügt das Land nach wie vor über eine Vielzahl von Trümpfen, die Anlass zu unerschütterlichem Optimismus geben.

Wie schätzen Sie das Umfeld für Investments an den Anleihenmärkten ein?

An den Anleihenmärkten machen der globale wirtschaftliche Abschwung, die Abschwächung der Inflationstendenzen in Europa und die Ungewissheit über den Ausgang des Brexits den Anlegern am meisten Sorgen: Wir sind sowohl gegenüber europäischen Staatsanleihen als auch gegenüber den Peripherieländern neutral positioniert. Europäische Unternehmensanleihen waren begehrt, aber die Nachfrage in diesem Segment dürfte unserer Meinung nach zurückgehen, und wir halten an unserer negativen Einschätzung fest.

In den USA veranlasst uns die Zinskurve zu einer neutralen Haltung. 2019 steht für eine Wende, die US-Notenbank (Fed) hat ihren Kurs geändert und sich weniger restriktiv geäußert als in den letzten Veröffentlichungen und es hat sich kein nachhaltiger Inflationsdruck eingestellt. Bei US-Staatsanleihen setzen wir auf einen vorsichtigen Ansatz und wählen qualitativ höherwertige Titel aus.

Panorama Financier 2019-02

An den Aktienmärkten gab es zu Jahresbeginn ein wahres Feuerwerk. Was heißt das für Ihren Ansatz bei der Aktienanlage?

Tatsächlich haben die Märkte in den Industrie- und Schwellenländern nach den Feiertagen Ende 2018 zu einer kräftigen Erholung angesetzt: Die moderateren Äußerungen der Fed, die Fortschritte bei den Handelsverhandlungen zwischen China und den USA, das vorläufige Ende des Shutdowns und die soliden Unternehmensergebnisse haben die Anleger beruhigt.

Infolgedessen entschieden wir uns für eine defensivere Positionierung und reduzierten das Aktienengagement, da das aktuelle Umfeld weniger günstig ist als 2018: Es gab weniger außergewöhnliche Wertentwicklungen, die uns zu Gewinnmitnahmen veranlassten. Zugleich erwarten wir, dass die Volatilität zunimmt, die trotz der angespannten politischen Lage ein sehr niedriges Niveau erreicht hat.

Und wie steht es um die Zentralbanken?

In diesem Umfeld haben die Zentralbanken unterschiedliche Strategien verfolgt, die für die Performance nach der Krise repräsentativ sind: In den USA konnte die Fed vor dem Hintergrund der Erholung mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik beginnen.

Dazu hat sie schrittweise die Leitzinsen erhöht und in der eigenen Bilanz gehaltene Vermögenswerte abgebaut. In Europa hat die EZB ihre Maßnahmen aufgeschoben, weil die Erholung noch nicht robust genug war. Wie wird es also mit der Geldpolitik weitergehen? Die nächsten Monate werden uns einige Antworten auf diese Frage liefern, die wir genau analysieren werden.

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