8. Juli 2019

Gespräch über die Finanzmärkte für das dritte Quartal

Marc Fohr, Head of Investments bei BCEE Asset Management, äußert sich zur aktuellen Wirtschaftslage.

Was halten Sie von einer Reise um die Welt zur aktuellen politischen und gesamtwirtschaftlichen Situation?

Und los geht die Reise: Während man dachte, China und die USA stünden kurz vor einer Einigung, hat Donald Trump noch einen draufgesetzt. Die Zölle steigen weiter, was jedoch nur ein Vorwand ist, um eine Konfrontation im Technologiekonflikt, in dem sich die beiden Nationen in Wahrheit befinden, zu umgehen.

Dieser Konflikt belastet das weltweite Vertrauen, was den Internationalen Währungsfonds dazu veranlasste, seine Wachstumsprognosen für 2019 nach unten zu korrigieren. Die Welthandelsorganisation erwartet, dass die Handelsspannungen den Rückgang des internationalen Handels, der bereits seit Ende 2018 zu verzeichnen ist, in die Länge ziehen werden.

Dies dürfte auch die globale Industrieaktivität beeinträchtigen. Die USA schwächeln: Das Wachstum des realen BIP könnte über den Erwartungen liegen, doch der Verbrauch der Haushalte lässt nach, was auf erste Anzeichen von Schwäche hindeutet. Europa ist von fiskalischen und politischen Sorgen geplagt und leidet unter sinkendem Vertrauen. Durch die entgegenkommende Geldpolitik können jedoch ein Niedrigzinsumfeld und günstige finanzielle Bedingungen aufrechterhalten werden, bei hoher Dynamik am Arbeitsmarkt. Alles in allem sind die Aussichten ermutigend, jedoch mit einem Haken: Der Kontext der Handelsspannungen mahnt zur Vorsicht und veranlasst uns dazu, unser Engagement in zyklischen Branchen, die stärker von einer positiven Wirtschaftslage abhängig sind, zu verringern.

Wie entwickeln sich die Anleihemärkte? Welchen Ton schlagen die Zentralbanken an?

Die Renditen an den Anleihemärkten sind gesunken, ebenso wie das Wachstum. Europa befindet sich in der Zwickmühle, mit einer Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die in den negativen Bereich gerutscht ist. Auf dem europäischen Kreditmarkt veranlassen uns die niedrigen Renditen dazu, auf Nummer sicher zu gehen, weshalb wir uns in diesem Segment zurückhalten.

In den USA ist der Ton der US-Notenbank entgegenkommender, mit einer Inflation im Hintergrund, die auf der Stelle tritt, und einer Zinskurve, die den Schluss nahelegt, dass es bald zur Rezession kommt. Doch damit rechnen wir vorerst nicht.
Marc Fohr

Deshalb bleiben wir gegenüber der amerikanischen Zinskurve neutral eingestellt. Die Aussichten für das Investment-Grade-Universum sind gut: Bei unserer Vorgehensweise, hochwertige Wertpapiere zu bevorzugen, die nur in geringem Maße vom Konjunkturzyklus und von der Suche nach Rendite abhängen, schätzen wir dieses Segment weiter positiv ein.

Wie sieht es an den Aktienmärkten aus?
Wie sieht es an den Aktienmärkten aus?
An den Aktienmärkten läuft oberflächlich betrachtet alles rund in der besten aller Welten: Die Kraft der USA und die historischen Höchststände, die dort erzielt werden, zeigen dies deutlich. Der Kurs der Fed sorgt für Unterstützung, die Vermögenswerte steigen und die Niedrigzinspolitik könnte den amerikanischen Verbraucher ermutigen, mehr Geld aufzunehmen und auszugeben, was sich positiv auf Wirtschaft und Märkte auswirken würde. Auch die Börsengänge sind nur so hereingebrochen und mit ihnen die berühmten Einhörner, Start-ups mit einem Wert von über einer Milliarde Dollar. Trotz allem sind die meisten Unternehmen, die an die Börse gehen, seit Anfang des Jahres defizitär: Das gibt zu denken.
Warum lässt Sie diese erfreuliche Entwicklung dennoch zweifeln?
Warum lässt Sie diese erfreuliche Entwicklung dennoch zweifeln?
Man sieht nur die Spitze des Eisbergs, und im Grunde wissen wir, dass die Finanzmärkte des richtigen Maßes an produktiven Investitionen, zukunftsorientierten politischen Entscheidungen und Regulierung bedürfen. Uns beschäftigt vor allem die Sorglosigkeit der Märkte in einem volatilen Umfeld, zumal zahlreiche entscheidende politische Ereignisse eine effiziente Allokation von Investitionen und Ressourcen stören könnten.
Wie sieht also Ihre aktuelle Haltung aus?
Wie sieht also Ihre aktuelle Haltung aus?
Wir bleiben ungerührt. Wir behalten unsere negative Haltung gegenüber dem Grundstoffsektor bei und reduzieren unser Engagement in der Halbleiterindustrie. Im Hinblick auf die Reduzierung des zyklischen Engagements unserer Portfolios haben wir die Gewichtung des Energiesektors im Einklang mit unserer aktuellen Einschätzung reduziert: Wenn die für den Sektor relevanten Faktoren positiv sind, positionieren sich die Anleger entsprechend. Wir sind defensiv ausgerichtet: Unser Engagement im Immobiliensektor ist positiv, und wir setzen auf Kommunikationsdienstleister, da hier gute Aussichten bestehen.

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Panorama Financier 2019-03