30. April 2020

Die Erholung wird langsam und allmählich erfolgen

Aykut Efe, Ökonom bei BCEE Asset Management, äußert sich zur aktuellen Wirtschaftslage während der Corona-Pandemie.

Die Covid-19-Pandemie stürzt die Welt in eine schwere Rezession. Für 2020 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Rückgang des weltweiten Wirtschaftswachstums um drei Prozent. Denn die Eindämmungsmaßnahmen haben die Wirtschaftstätigkeit sowohl in Bezug auf die Produktion als auch auf den Verbrauch plötzlich zum Erliegen gebracht. In den meisten Industrieländern wurde entschieden, dass nur als „wesentlich“ erachtete Aktivitäten wie Ernährung und Gesundheitsfürsorge normal funktionieren dürfen.

Wir können versuchen, uns eine Vorstellung von der möglichen Entwicklung der Weltwirtschaft zu machen, indem wir uns die Komponenten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ansehen. So werden wir in den nächsten Monaten die Entwicklungen des Konsums, der Investitionen und des Welthandels analysieren.

In den kommenden Monaten wird es für die Haushalte schwierig sein zu konsumieren. Seit über einem Monat beobachten wir einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, insbesondere in den USA, wo innerhalb weniger Wochen über 25 Millionen Menschen ihren Job verloren. Das Ergebnis ist ein Vertrauensschwund, der an verschiedenen historisch niedrigen Indikatoren erkennbar ist.

Es ist im Übrigen nicht schwer, eine Veränderung der Konsumgewohnheiten vorauszusehen, die auch nach der Überwindung des Rezessionstiefs weiter andauern wird. Einer McKinsey-Studie zufolge planen die Verbraucher in den Industrieländern, ihre Ausgaben für Nonfood-Produkte, Auslandsreisen und die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen zu reduzieren.[1]

Auch die Investitionen werden vorerst auf sich warten lassen. Normalerweise hängt ihr Umfang von den Ergebnissen des vergangenen Geschäftsjahres ab. Die meisten Unternehmen hatten aber während der Ausgangsbeschränkungen starke Umsatzeinbußen zu verzeichnen, und es kam bereits zu ersten Entlassungen. Darüber hinaus ist das Investieren eng mit einem optimistischen Blick in die Zukunft verbunden. Angesichts des unsicheren Umfelds hält sich die Begeisterung jedoch in Grenzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die private Nachfrage über Konsum, Investitionen und Welthandel vorerst nur zaghaft in Gang kommen wird.

Der Welthandel, dem 2018 und 2019 bereits der Handelskrieg stark zugesetzt hatte, ist nun erneut beeinträchtigt, da die Pandemie die Lieferketten stört. Für 2020 erwartet die Welthandelsorganisation (WTO) einen Rückgang des internationalen Handels um 13 bis 32 Prozent. Die internationale Arbeitsteilung zeichnet sich zwar durch viele Vorteile aus, stellt aber für Unternehmen und Regierungen angesichts des Risikos von Lieferketten-Unterbrechungen eine Gefahr dar. Daher würde es kaum überraschen, wenn sich die Debatten über die teilweise Rückverlagerung der Industrieproduktion aus den Ländern der Dritten Welt in die Industrieländer mehren würden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die private Nachfrage über Konsum, Investitionen und Welthandel vorerst nur zaghaft in Gang kommen wird. Die öffentliche Nachfrage dürfte hingegen über die Haushaltspolitik steigen. Dies spiegelt sich bereits in den gigantischen Konjunkturpaketen der verschiedenen Regierungen wider, die in den USA 15 Prozent, in Japan 20 Prozent, in Kanada 11 Prozent und in Deutschland 5 Prozent des BIP ausmachen. Solange die privaten Akteure auf Sicht navigieren, dürfte die Weltwirtschaft über die Haushalts- und Geldpolitik noch auf unbestimmte Zeit am Tropf hängen.

In diesem schwierigen Kontext sollten wir zumindest ein wertvolles Element begrüßen: Anders als bei der letzten Krise haben die Regierungen und Zentralbanken rasch und entschlossen gehandelt, um den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie entgegenzuwirken, wie die Reaktion der Aktienmärkte im April beweist.