Der Bitcoin: Blase, Modetrend, neue Währung oder Pyramide? | Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat, Luxembourg
3. Mai 2018

Der Bitcoin: Blase, Modetrend, neue Währung oder Pyramide?

Über seine finanziellen Aspekte hinaus ist der Bitcoin zu einem Gesellschaftsthema geworden. Es vergeht kein Tag, an dem nicht – gut oder schlecht – seitens der diversen Akteure, seien es Finanzfachleute, Politiker, Akademiker oder Informatiker, darüber gesprochen wird. Dr. Luc Neuberg, CEO des BCEE Asset Management, teilt uns seine Ansichten über die möglichen Auswirkungen dieses Assets für traditionelle Anleger mit, unabhängig davon, ob sie Bitcoins besitzen oder nicht.

Was genau ist unter Bitcoin zu verstehen?

Der Bitcoin ist das, was man eine Kryptowährung[1] nennt. Er entstand bei Ende der Finanzkrise 2009 und ist das Ergebnis von Überlegungen eines oder mehrerer Informatiker, der (die) unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ bekannt ist (sind). Die Funktionsweise des Bitcoin stützt sich auf eine dezentrale Open-Source-Software.

Zum Zeitpunkt seiner Entstehung sollte der Bitcoin jedem Internet-Nutzer eine Alternative zu den herkömmlichen Währungen bieten. Dem Bitcoin zugrunde liegt die sogenannte „Blockchain“-Technologie, die den Umlauf dieser Kryptowährung gewährleistet und es gestattet, die Transaktionen ohne den Umweg über eine Bank zu validieren.

Jedes teilnehmende Mitglied kann eine Transaktion genehmigen, indem ein Block an die vorhandene Zeichenfolge hinzugefügt wird, worin eine eindeutige Kennung, ein Schlüssel zur Benennung des neuen Blocks gefunden wird. Dieser Ansatz bedingt das Lösen einer mathematischen Gleichung, die mit wachsender Kette entsprechend komplexer wird.

Je komplexer die Kette ist, desto grösser der Bedarf an Rechenleistung, was eine exponentiell zunehmende Energie erfordert. Derzeit sind etwa 16,7 Millionen Bitcoins im Umlauf.

Den Absichten seines Schöpfers (seiner Schöpfer) zufolge, sollte die Gesamtzahl der in Umlauf befindlichen Bitcoins nicht mehr als 21 Millionen betragen.

Warum könnte sich dieser Vermögenswert auf den traditionellen Anleger auswirken?

In wirtschaftlicher Hinsicht führen die Kritiker des Bitcoin vor allem dessen Unfähigkeit an, als Tauschwährung für ein signifikantes Aufkommen an Handelstransaktionen – selbst wenn diese zunehmen – fungieren zu können. Darüber hinaus ist sein Wert völlig losgelöst von der Höhe der Inflation. Diesen Fakten nach, muss man sich die Frage seiner tatsächlichen Natur (Haben wir es mit einer Art „Spielgeld“ oder mit einer effektiven Währung zu tun?) und den Gefahren für die Märkte, auf denen diese elektronische Währung in freiem Umlauf ist, stellen.

Fast alle Finanzwerte befinden sich derzeit in einer Phase sehr geringer Volatilität. Der Bitcoin hingegen weist ein Volatilitätsniveau auf, das mehr als zehnmal höher ist als das einer traditionellen Währung. Hinzu kommt das Aufkommen von Bitcoin-Devisenterminkontrakten an der Chicago Board Options Exchange. Auch wenn dieses Ereignis das Phänomen nur verstärkt, so hat es doch vor allem eine direkte Verbindung mit traditionellen Währungen hergestellt. Vor diesem Hintergrund stellt sich das Marktrisiko als sehr hoch heraus.

Was die regulatorischen Risiken angeht, haben die Regierungen bislang nicht klargemacht, welchen regulatorischen Ansatz sie gegenüber dem Bitcoin verfolgen.
Dr Luc Neuberg - CEO BCEE AM

Laut einer kürzlich durchgeführten Studie des Cambridge Centre for Alternative Finance besitzen etwa drei Millionen Menschen digitale Währungskonten. Laut Bloomberg sind 40 % der Bitcoins in den Händen von nur 1.000 Menschen, von denen die meisten Informatiker sind, die über keinerlei Investitionskompetenzen verfügen. Das Konzentrationsrisiko ist daher ebenso hoch wie besorgniserregend, da die Folgen der Entscheidungen dieser Mehrheitsinhaber den Wert des Bitcoin erheblich belasten werden.


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Wie steht es um die Sicherheit?

Sein Status als dezentrale Open-Source-Software birgt für den Bitcoin eine unvermeidbare Schwachstelle. Im Hinblick auf die Sicherheit ist es selbstverständlich, dass ein solcher Kontext Bugs, Hacks und der Einführung neuer Versionen Tür und Tor öffnet. Dazu kommt, dass die Funktionsweise des Bitcoin für seine Inhaber völlig intransparent ist, was sowohl für den Nachweis des Besitzes als auch für die Festlegung der Kauf- bzw. Verkaufsbedingungen gilt.

Die dezentrale, offene Verwaltung bedingt gleichfalls operative Risiken. Im Falle einer Krise oder Softwarefehlfunktion ist niemand wirklich für deren Lösung verantwortlich. Niemand ist legitimiert, um bei der Software vermittelnd einzugreifen, und die Entwickler, die die Bitcoin-Blockchain verwalten, scheinen sich besser mit der Programmierung als mit der Ausarbeitung von Strategien oder eines Risikomanagements für die Infrastruktur von Finanzmärkten auszukennen.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren – und auch wenn wir keine Bitcoins besitzen – bleiben wir wachsam gegenüber den Risiken, die diese Entwicklung für uns darstellen könnte.
Dr Luc Neuberg - CEO BCEE AM


[1] In zahlreichen Schriften wird die Möglichkeit, den Bitcoin als Währung zu behandeln, entweder befürwortet oder abgelehnt. In diesem Artikel soll die Technologie, die der Funktionsweise des Bitcoin zugrunde liegt, dargestellt werden.

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